Europäischer Hugenotten- und Waldenserpfad - Teilstück in Baden-Württemberg

Historischer Kulturfernwanderweg

Quelle: Hugenotten- und Waldenserpfad e.V.
Als der französische «Sonnenkönig» Ludwig XIV. im Jahr 1685 die Ausübung des evangelischen Glaubens in seinem Reich verboten hatte, waren vor mehr als 300 Jahren rund 200.000 Protestanten ins Ausland geflohen. Auf Schleichwegen durch die Alpen führten die Routen der Hugenotten und Waldenser zunächst ins evangelische Genf. Von dort konnten die Flüchtlinge offen auf der Straße über Bern und Zürich bis Schaffhausen reisen, weiter durch das evangelische Württemberg und Nordbaden in die evangelischen Territorien Hessens.

Er ist 1.800 Kilometer lang und zieht sich von Le Poët-Laval in den südfranzösischen Alpen bis hin zum nordhessischen Bad Karlshafen an der Weser. Der Hugenotten- und Waldenserpfad ist die Route, auf der vor mehr als 300 Jahren Zehntausende Protestanten aus Südfrankreich und Waldenser aus den italienisch-piemontesischen Alpentälern wegen der Unterdrückung ihres Glaubens geflohen waren. Nach vielen Jahren wurde im April 2012 der letzte Abschnitt des europäischen Kulturfernwanderwegs in Baden-Württemberg eröffnet.
«Der historische Kulturfernwanderweg ist für uns ein Gegenstück zu den klassischen Pilgerwegen», sagt Renate Buchenauer vom Verein «Hugenotten- und Waldenserpfad». Die Koordinatorin für den in Deutschland rund 800 Kilometer langen Pfad sieht in der Wanderrote auch «einen Weg zum Protestantismus und der Toleranz», der nicht nur auf die Spuren der Glaubensflüchtlinge von damals hinweisen soll. «Mit dem Weg soll auch das Thema Migration behandelt werden», sagt Buchenauer, die selbst von einer hugenottischen Familie abstammt. Geplant seien dazu unter anderem kulturelle Veranstaltungen sowie Schau- und Informationstafeln, die auf das Thema Flucht und Sesshaftigkeit hinweisen.

«Unser Logo ist die weiße Silhouette eines wandernden Hugenotten mit Rock, Schlapphut und Stock vor einer blauen Scheibe», sagt Buchenauer. Dem Verein gehören Kommunen, Landkreise, Kirchengemeinden, Wander- und Kulturvereine sowie Unternehmen an. Mehrere hundert Menschen hätten in den vergangenen Jahren in Hessen und Baden-Württemberg an der Gestaltung des Pfades mitgewirkt, erzählt die Vereins-Koordinatorin. Das Hugenottenbild stamme von einem historischen Kupferstich und damaligen Erkennungsmünzen, mit denen sich die verfolgten Protestanten auf ihren geheimen Zusammenkünften oder bei heimlichen Gottesdienstfeiern ausweisen mussten, sagt Buchenauer. Die Mitarbeiter markieren den Wanderpfad mit der blauen Scheibe, die die historische Erkennungsmünze (méreau) symbolisiert, und einer geschwungenen grünen Linie für den Pfad «als Zeichen für den langen Weg, den die Flüchtlinge damals gegangen waren».

Der Hugenotten- und Waldenserpfad führt zu zahlreichen Fachwerkhäusern und Kirchen, die etwa in den nordhessischen Orten Gottstreu, Gewissenruh und Schöneberg oder in den baden-württembergischen Gemeinden wie Pinache, Perouse, Neuhengstett, Simmozheim oder Großvillars zum Teil noch französische Inschriften tragen. Wo die Flüchtlinge ansässig wurden, werden mancherorts noch heute bei größeren Feiertagen Gottesdienste auf Französisch gehalten.
Waldenser und Hugenotten unterscheiden sich in Geschichte und Theologie, teilten aber eine Verfolgungs- und Fluchtgeschichte. Die Waldenserbewegung entstand im 12. Jahrhundert in Südfrankreich, wurde über Jahrhunderte verfolgt und schloss sich Mitte des 16. Jahrhunderts der Reformation an. Die Hugenotten waren von dem Reformator Johannes Calvin beeinflusste Protestanten im Frankreich der vorrevolutionären Zeit. Sie wurden ebenfalls verfolgt und flohen vor allem zum Ausgang des 17. Jahrhunderts in großer Zahl in protestantische Gebiete.

Der Hugenotten- und Waldenserpfad führt auf einer Gesamtlänge von 1.800 Kilometer von Südfrankreich und Norditalien über die Schweiz bis ins nordhessische Bad Karlshafen. Im Schwarzwald können Wanderer zwischen Calw und der Staatsgrenze bei Schaffhausen auf den Wanderwegen des Schwarzwaldvereins - «Gäurandweg», «Ostweg» und «Querweg», dazwischen auch auf dem «Neckarweg» - den Themenschildern folgen. Von Calw nach Norden beginnt dann die Markierung mit einem eigenen Zeichen. Im September dieses Jahres ist eine grenzübergreifende Wanderveranstaltung im Raum Schaffhausen-Hegau geplant.

(Quelle: epd/Ralf Schick)

Hintergrund: Waldenser in Baden

Quelle: Blackomega /lizenziert unter der Creative Commons-Lizenz
Sie wurden aus ihrer vertrauten Umgebung im französisch-italienischen Grenzgebiet vertrieben und mussten ihr Land, ihre Hütten und Häuser zurücklassen. In Baden und Württemberg fanden etliche Waldenserfamilien eine neue Heimat: Gegen den Einspruch der evangelischen Kirchenleitung, die vor über 300 Jahren die reformierten Waldenser in einem Gutachten «als schreckliche Ketzer und Irrlehrer» bezeichnete, wies ihnen im Jahr 1701 der württembergische Herzog Eberhard Ludwig in einem durch zwei Kriege entvölkerten Grenzgebiet Siedlungsflächen zu.

28 arme Flüchtlingsfamilien aus dem damaligen La Balme, einem kleinen Weiler im Pragelatal, kamen vor über 300 Jahren nach Grünwettersbach und gründeten dort den Ort Palmbach (Kreis Karlsruhe). 360 Morgen verwüstetes Ackerland wurde den Vertriebenen wenig später auf einer Hochfläche zugewiesen, über das der Dreißigjährige Krieg und der pfälzische Erbfolgekrieg getobt hatten. «Sie wurden vertrieben um ihres Glaubens willen», sagt die Karlsruher Pfarrerin und Kirchenrätin Susanne Labsch.

Grünwettersbach lag damals in einer kleinen württembergischen Exklave im Badischen und gehörte zum Oberamt Neuenbürg. Nach den beiden Kriegen hatte das ursprünglich 80 Bürger zählende Dorf nur noch 30 Einwohner. In Erinnerung an ihre alte Heimat nannten sie die neue Siedlung La Balme, später auch Balmbach geschrieben. 1806 wurden Grünwettersbach und auch Palmbach badisch.
Im Jahr 1725 bauten die geflüchteten Familien in Palmbach ihre erste Kirche. Zwei Gedenktafeln hinter dem Altar der aus Holz erbauten Waldenserkirche sind in der heutigen, 1906 aus Sandstein erbauten Nachfolgekirche, noch erhalten. Die in französischer Sprache verfasste Tafel «bezeugt, dass die Vertriebenen den Beistand Gottes und seinen Segen hier verwirklicht sahen», sagt Labsch, die selbst mehrere Jahre in italienischen Waldensergemeinden gelebt und gearbeitet hat.

Die auf den südfranzösischen Armutsprediger Petrus Waldes (1217 verstorben) zurückgehenden Waldenser waren eine vorreformatorische Bewegung im Gegensatz zu den Hugenotten, die von Beginn an von der jeweils herrschenden Amtskirche verfolgt wurden. Im Jahr 1184, so sagt der in Karlsruhe wohnende Waldenser-Experte und Buchautor Albert de Lange, wurden die Waldenser formell vom Konzil von Verona verurteilt.
Die mit den Albigensern verfolgten und durch Ketzer-Kreuzzüge dezimierten Waldenser zogen sich daher in die unzugänglichen Hochtäler im heutigen italienisch-französischen Grenzgebiet zurück. Doch auch dort waren sie nach kurzer Zeit nicht mehr sicher, weshalb ihr Pfarrer Henri Arnaud sie 1699 nach Deutschland führte: Allein 1.700 Frauen und Männer fanden Aufnahme im damaligen Herzogtum Württemberg, rund 1.300 in Baden.

(Quelle: epd)